Lucie Haba hat nichts unversucht gelassen. Als sie Kopfschmerzen und Fieber bekam, ging sie umgehend ins örtliche Gesundheitszentrum. Die Diagnose der Ärzte: Typhus. Doch Habas Symptome wurden nicht besser, sie musste sich regelmäßig übergeben, fühlte sich schwach. Also konsultierte die Patientin, selbst Krankenschwester, Ärzte einer weiteren kleinen Klinik in Nzérékoré im Südosten Guineas. Diesmal wurde ihr gesagt, sie habe Malaria. Eine fatale Fehldiagnose.

Die 51-Jährige wurde offenbar immer verzweifelter. Denn am Tag darauf suchte sie einen traditionellen Heilpraktiker auf, wie es sie in diesem Teil Westafrikas viele gibt. Vier Tage später, am 28. Januar, war sie tot. Mit einer großen Beerdigungszeremonie nahm ihre Familie von ihr Abschied. Wieder ein fataler Fehler, wie sich nun herausstellt. Denn Lucie Haba hatte Ebola, das ist inzwischen bestätigt. Sie wurde bekannt als Patient Zero.

Fünf Familienmitglieder und der Heilpraktiker haben sich höchstwahrscheinlich bei ihr angesteckt. Vier davon sind in den vergangenen Tagen gestorben. Ebola gilt als eine der tödlichsten Krankheiten der Welt, die Mortalität liegt bei etwa 50 Prozent. Bei manchen Ausbrüchen in der Vergangenheit sind sogar neun von zehn Patienten dem Virus erlegen. Die schlimmste Ebola-Epidemie wütete von 2014 bis 2016 in Westafrika, mit mehr als 11.000 Toten. Auch damals hatte sie im dicht bewaldeten Südosten Guineas ihren Ursprung.

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Mitarbeiter des französischen Roten Kreuzes während der heftigen Ebola-Epidemie 2015

Foto: Reuters Staff / REUTERS

Der Ebola-Ausbruch vor fünf Jahren sorgte auch in Europa und den USA für Panik. Zum ersten Mal fühlte sich der Globale Norden ernsthaft vom exotischen Virus aus Afrika bedroht. Doch die Hilfsmaschinerie lief spät, viel zu spät, an. Das Virus hatte sich längst in Westafrika ausgebreitet, die örtlichen Gesundheitsbehörden waren mit ihren knappen Ressourcen heillos überfordert.

Der Epidemiologe…