Am Donnerstag hat die Exzellenzuniversität Hamburg eine Pressemitteilung veröffentlicht, die ihrem Ruf nicht zuträglich sein dürfte: Der Nanowissenschaftler Roland Wiesendanger habe den Ursprung des Coronavirus »beleuchtet«, hieß es darin. Wer weiterliest, dem geht allerdings keinesfalls ein Lichtlein auf.

Im Text findet sich eine Ansammlung angeblich »schwerwiegender Indizien«, die für einen Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan als Ursache der gegenwärtigen Pandemie sprechen sollen. Vorangeschoben ist eine Einschränkung seitens der Pressestelle, die die Frage aufwirft, warum es die Mitteilung überhaupt gibt.

»Die Studie« liefere »keine hochwissenschaftlichen Beweise«, heißt es da. Das soll wohl suggerieren, dass sie trotzdem noch wissenschaftlich sind, aber eben nicht hochwissenschaftlich. Klickt man allerdings auf den Link zur Original-Arbeit, stellt man fest: Es handelt sich nicht nur um keine hochwissenschaftliche Studie, sondern um gar keine.

Veröffentlicht im Wissenschafts-Facebook

Wiesendanger hat schlicht ein PDF, versehen mit dem offiziellen Briefkopf der Universität Hamburg, auf der Plattform ResearchGate hochgeladen. Die Seite ist eine Art Facebook für Wissenschaftler, ein soziales Netzwerk, auf dem sie ihre Forschung präsentieren können. Eine systematische, inhaltliche Prüfung der Arbeiten, wie sie für in anerkannten Fachmagazinen publizierte Studien üblich ist, findet nicht statt.

Nun wurden in der Corona-Pandemie viele Studien vorab ohne Prüfung veröffentlicht. Das allein ist kein K.-o.-Kriterium, allerdings auch nicht das einzige Problem mit der Arbeit. Um es mit den Worten der Pressestelle zu sagen: Die Umstände, unter denen die Arbeit erschienen ist, liefern »keine hochwissenschaftlichen Beweise, wohl aber zahlreiche und schwerwiegende Indizien«, dass es sich um wissenschaftlichen Unfug handelt.

Dem Professor scheint das durchaus bewusst zu sein. Bei »ZDFheute« erklärte er dann auch, seine Arbeit sei…