Eigentlich wollten sich die reichen Staaten der Welt solidarisch zeigen: Noch bevor es Impfstoffe gegen Covid-19 gab, verabredeten sich 190 Länder, Vakzinen für die Armen der Welt zu reservieren: Sie traten der Impfallianz Covax bei, gegründet von der Weltgesundheitsorganisation WHO. »Niemand ist sicher, solange nicht alle sicher sind«, lautete das Motto.

Nun sind die Impfstoffe zwar da, aber von Solidarität im Kampf gegen die Seuche will kaum mehr jemand etwas wissen. Die EU, die USA, Kanada und andere reiche Staaten leiden darunter, dass ihre Bevölkerungen unzufrieden sind mit der Impfgeschwindigkeit. Sie haben viel Geld an Covax bezahlt, nutzen aber ihre Impfstoffe für nationale Kampagnen.

Das arme Land Honduras muss sich deshalb bis zum März mit 25 Impfdosen begnügen – nicht mit 25.000 oder gar 25 Millionen. Kostet der globale Kampf um helfende Medikamente die Weltwirtschaft vielleicht sogar mehr als eine langfristige, globale Impfkampagne?

Im Auslandspodcast »Acht Milliarden« redet Host Olaf Heuser darüber mit zwei Gästen: Elisabeth Massute von »Ärzte ohne Grenzen« beschäftigt sich mit dem gerechten und bezahlbaren Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten. Sie sagt: »Wir leben in einer globalisierten Welt, Menschen werden wieder reisen und damit wird das Virus auch wieder über Grenzen treten. Dem gilt es vorzubeugen.« Es müsse darum gehen, so viele Menschen wie möglich zu schützen und Menschenleben zu retten. »Und das können wir nur, wenn wir gemeinsam solidarisch diese Pandemie versuchen einzudämmen und global dagegen vorgehen.«

SPIEGEL-Korrespondentin Laura Höflinger in Bangalore berichtet über die ungewöhnliche Situation in Südasien: Auch Indien sicherte sich eigene Impfstoffbestände, verschenkt aber Millionen Impfdosen an die Nachbarstaaten. »Die Inder waren darüber wahnsinnig stolz – und das liegt auch daran, dass sie schneller waren als die Chinesen«. In Indien stehen die größten Impfstofffabriken der Welt und schon deshalb,…