Söders Schienbeintritt

Ganz ohne Bier war der politische Aschermittwoch offen gesagt viel zünftiger als mit. Ohne das Gejohle der Bierzeltbesucher kam es gestern endlich mal auf den Inhalt an.

Die CSU hatte den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet als Gastredner zu ihrem Digitalevent geladen. Was als großherzige Geste hätte rüberkommen können, entpuppte sich aber als deftiger Tritt vors Schienbein. Zwar betonte CSU-Chef Markus Söder brav, wie toll man als Union an einem Strang ziehe, auch jetzt gemeinsam mit »dem Armin«. Aber dann sagte »der Markus« einen sehr genau überlegten Satz. Auf seine weiß-blaue Tischdecke gestützt, sagte Söder »Jeder, der meint, Merkel-Stimmen im September zu bekommen, der muss wissen: Merkel-Stimmen gibt’s nur mit Merkel-Politik.« Übersetzt hieß das: Der Armin macht keine Merkel-Politik. Und würde als Kanzlerkandidat zu wenig Stimmen für die Union holen.

Tatsächlich hatte Laschet erst am Montag beim Neujahrsempfang der baden-württembergischen CDU ein paar Sprüche rausgehauen, die auch auf jeder Querdenker-Demo für gute Laune gesorgt hätten: »Populär ist, glaube ich, immer noch die Haltung, alles verbieten, streng sein, die Bürger behandeln wie unmündige Kinder.« Oder: »Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen.«

Über solche Sprüche kann man zu Recht die Nase rümpfen. Rein strategisch aber waren sie äußerst hilfreich für Laschet. Weil sie insbesondere bei den Unterstützern von Friedrich Merz bombig ankamen. Und sich Laschet nun auch deren Unterstützung im Duell um die Kanzlerkandidatur der Union sicher sein kann.

Jemand aus der CDU-Führung sagte mir gestern, dass nun zu hundert Prozent sicher sei, dass Laschet Kanzlerkandidat werde. Es werde keinen einflussreichen CDU-Politiker geben, der offen nach Markus Söder rufe. Genau diese Rufe aber bräuchte Söder als Vertreter der kleineren Unionspartei, um doch noch Kanzlerkandidat zu werden. Es scheint, als könne ausgerechnet Söders…