Ursula von der Leyen steht im Pressesaal des Berlaymont, des mächtigen Hauptquartiers der EU-Kommission, und ist in ihrem Element. Wochenlang musste sie sich teils scharfe Kritik an ihrer Impfstoff-Strategie anhören, die vor allem in Deutschland mittlerweile als Debakel gilt, und überdeutlich wurde dabei: Die Defensive ist von der Leyens Sache nicht. Umso gelöster wirkt sie nun, da sie endlich wieder tun kann, was ihr besonders liegt: im Licht der Scheinwerfer Großes verkünden.

Von der Leyen, das wird schnell klar, will im Kampf gegen das Coronavirus wieder in die Offensive kommen. Ob ihr das gelingt, könnte darüber entscheiden, ob ihre Amtszeit als Erfolg gewertet wird – oder ob sie womöglich sogar vorzeitig endet. Richten soll es nun ein Fünf-Punkte-Plan:

Die Sequenzierung des Erbguts des Virus soll deutlich beschleunigt werden, damit man neue Varianten schneller als bisher erkennt. Die EU-Länder sollen dafür mindestens 75 Millionen Euro aus EU-Mitteln bekommen.

Diese Informationen sollen die Anpassung von Impfstoffen an neue Virusvarianten erleichtern; für entsprechende Forschungsprojekte will von der Leyen weitere 150 Millionen Euro bereitstellen.

Ein neues Netzwerk für klinische Studien namens »Vaccelerate« (zusammengesetzt aus den englischen Wörtern für Impfstoff und Beschleunigen), an dem sich 16 EU-Staaten und fünf weitere Länder beteiligen, soll die Datenlage über die Pandemie und den Erreger verbessern.

Die Zulassung neuer Impfstoffe durch die EU-Arzneimittelagentur EMA soll beschleunigt werden, basierend auf dem Modell der jährlichen Influenza.

Die Massenproduktion von Impfstoffen soll deutlich ausgeweitet, Lieferketten abgesichert und Engpässe erkannt werden. Zudem sollen neue Verträge mit Herstellern »detaillierte und glaubwürdige Pläne« über Produktionskapazitäten in der EU enthalten – ein klarer Verweis auf die bisherigen Pannen bei der Lieferung der Impfstoffe.

Der Plan trägt den etwas martialischen Namen »Hera Incubator«, was…