Generalsekretär Toshiro Nikai schlug vor, Frauen bei Spitzentreffen zuzulassen – aber nur als schweigende Zuschauerinnen. Es sei wichtig, dass die weiblichen Parteimitglieder die Entscheidungsprozesse verstünden, sagte der 82-Jährige am Dienstag und verwies darauf, dass der Vorstand gewählt würde. »Sich das anzuschauen – darum geht es«, wurde Nikai von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Die Diskussionsbeobachterinnen hätten sich laut der Zeitung Nikkei nicht zu Wort melden dürfen, ihre Meinungen aber dem Parteisekretariat mitteilen können.

Angeregt worden war die stärkere Beteiligung von Frauen an den Parteitreffen laut dem britischen »Guardian« offenbar von der früheren Verteidigungsministerin Tomomi Inada. Die LDP-Politikerin hatte Japan im vergangenen Jahr als »Demokratie ohne Frauen« bezeichnet und darauf verwiesen, dass die Hälfte der Bevölkerung Japans und 40 Prozent der Mitglieder an der Parteibasis Frauen seien. Premierminister Yoshihide Suga hatte im vergangenen September dagegen lediglich zwei Frauen in sein Kabinett berufen.

Bei Oppositionspolitikern und in der Bevölkerung sorgte die Aktion für weitere Kritik. Es handele sich schlicht um PR, sagte die Soziologin Belinda Wheaton von der Universität Waikato in Neuseeland. »Es ist an der Zeit, dass wir uns fragen, warum wir Männern über 70 oder 80 mehr zutrauen als Männern, die 40 oder 50 Jahre alt sind, oder Frauen.«

Bei dem Index zur Ungleichbehandlung des Weltwirtschaftsforums rangierte Japan 2020 auf Rang 121 von 153 Ländern. Unter den entwickelten Ländern belegte Japan den letzten Platz.

Ausgelöst hatte die Debatte der Chef-Organisator der Olympischen Spiele in Tokio, der 83-jährige frühere Ministerpräsident Yoshiro Mori. Er hatte bei einer Sitzung des Organisationskomitees Anfang Februar gesagt, Frauen redeten zu viel.

Nach heftiger Kritik und trotz mehrfacher Entschuldigungen musste er seinen Hut nehmen. Im Gespräch für seine Nachfolge ist Olympia-Ministerin Seiko…