Er war noch gar nicht offiziell im Amt, da gelang diesem Mann bereits ein politisches Kunststück. Mario Draghi, der neue Regierungschef, hat Rom befriedet. Etliche Politiker, die sich noch vor zwei Wochen übel beschimpften, sitzen nun einmütig in Draghis nationaler Einheitskoalition, vom linken Rand bis zur rechten Lega.

Plötzlich wollen alle Draghi ganz allein erfunden haben. »Er ist einer von uns«, heißt es in Rom, »ein Umweltschützer wie wir. Wir haben diese Lösung seit einem Jahr herbeigesehnt«, so lautet es quer durchs politische Spektrum. Am Mittwoch und Donnerstag stimmten beide Parlamentskammern mit großer Mehrheit für Draghis Regierung.

Es ist erstaunlich und befremdlich zugleich. Italien wirkt derzeit wie ein Fieberpatient mit plötzlichen Stimmungsschwankungen.

In den nächsten Wochen entscheidet sich die Zukunft Italiens

»Für Nichtitaliener muss es schwer sein zu verstehen, wie das möglich ist: Dieselben Gruppen, die sich vor einer Woche noch bekämpften, sind jetzt mit allem einverstanden. Unglaublich!«, sagt Stefano Zamagni. »Es ist ein Beweis für das Scheitern der Parteien.«