Kommen die Weintrauben aus Südafrika oder Italien? Der Apfel aus Chile oder dem Alten Land? Woher das Obst und Gemüse stammt, muss in Zukunft auch der Onlinehändler Amazon Fresh seinen Kunden bei der Bestellung mitteilen. Das hat das Oberlandesgericht München entschieden und damit ein entsprechendes Urteil des Landgerichts München bestätigt.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte Amazon verklagt, weil die Firma europäische Vorgaben für die Herkunftskennzeichnung missachtet habe. Anstatt konkret zu benennen, woher angebotene Früchte und Gemüse stammen, habe Amazon bis zu 13 mögliche Herkunftsländer angegeben.

Die Richter entschieden nun, dass laut EU-Verordnung den Verbrauchern das Land angegeben werden müsse, in dem das Obst und Gemüse geerntet wurde. Eine Angabe von über einem Dutzend Ursprungsländern für Weintrauben oder die Lieferung von Mangos aus Israel statt bestellter Mangos aus dem Senegal verstoße gegen diese Vorgaben, erklärte der Senatsvorsitzende Andreas Müller. »Vielleicht möchte ich im Herbst Weintrauben aus einem europäischen Land haben und nicht aus Südafrika«, sagte der Richter. Mit transparenten Produktinformationen wolle der Gesetzgeber den Verbraucher schützen.

Amazon: Kennzeichnungspflicht bereits umgesetzt

Amazon argumentierte dagegen, dass die Angabe von nur einem Ursprungsland im Online-Lebensmittelhandel gar nicht möglich sei. Dass kein einziger Lebensmittel-Onlinehändler die Vorgaben erfülle. Und dass die Kunden das auch gar nicht erwarten würden. Wenn Erdbeeren für ein Fest in drei Wochen bestellt würden, hänge es vom Wetter und der Ernte ab, woher die Ware letztendlich komme, sagte die Amazon-Anwältin.

»Das Urteil aus München hat Signalwirkung für den gesamten Lebensmittelhandel im Internet und muss eine Reform der Lebensmittelüberwachung zur Folge haben. Der Fall Amazon Fresh macht deutlich, dass die Kontrolle von Onlineshops nicht funktioniert«, sagte Oliver Huizinga von Foodwatch.

Amazon erklärte auf…