Vor einigen Wochen noch hätte Donald Trump seinen Zorn wohl in Kurzbotschaften von bis zu 280 Zeichen gepackt und in die Welt geschleudert. Seit Twitter ihm in der ersten Januarhälfte das Konto sperrte, ist das aber nicht mehr möglich. Also wandte sich der Ex-Präsident jüngst in einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit. Sie war 600 Wörter lang, bei Trump muss sich einiges aufgestaut haben.

Inhaltlich geriet das Statement zu einer parteiinternen Kriegserklärung. Trump greift darin Mitch McConnell, den Minderheitsführer der Republikaner im Senat, aufs Heftigste an. Der Mann aus Kentucky sei ein »mürrischer, verdrießlicher politischer Stümper, der nie lächelt«, außerdem ein »drittklassiger ›Anführer‹«. Der frühere Präsident legt den anderen Republikanern in der Kammer McConnells Absetzung nahe: »Wenn die republikanischen Senatoren zu ihm halten, werden sie nie wieder gewinnen.«

Die Beziehung der beiden mächtigsten Männer der Partei durchlief in den vergangenen Monaten eine ganz Reihe von Phasen; Trumps Attacke markiert den Beginn der jüngsten. Einst pflegten er und McConnell ein für beide Seiten profitables Zweckbündnis. Die Entfremdung begann spätestens, als der Senator Mitte Dezember Joe Biden zum Sieg bei der Präsidentschaftswahl gratulierte. Mit dem gewaltsamen Angriff auf den Kongress durch Trump-Anhänger am 6. Januar schlug Entfremdung in Feindschaft um.