Diese Woche konnte der britische Premier Boris Johnson endlich mal eine gute Nachricht in der Corona-Pandemie verkünden. Mehr als 15 Millionen besonders gefährdete Briten oder knapp ein Viertel der Bevölkerung haben ihre erste Impfdosis gegen das Coronavirus bekommen. Simon Stevens, der Chef des Gesundheitssystems NHS in England, sprach vom »größten und schnellsten Impfprogramm in Europa – und in der Geschichte des Gesundheitsdienstes«.

In dieser Pandemie hat die britische Regierung viele Fehler gemacht. Lockdowns wurden zu spät eingeführt, das Test-and-Trace-System ist praktisch gescheitert. Doch das britische Impfprogramm sieht momentan tatsächlich nach einer Erfolgsgeschichte aus.

Der Impfstoff von Pfizer und Biontech wurde in Großbritannien bereits am 2. Dezember zugelassen. Am 8. Dezember bekam die 90-jährige Margaret Keenan als erste Britin ihre Impfung. Seitdem läuft das Programm zügig – die Logistik, die mithilfe des Militärs organisiert wurde, und die Verteilung über den NHS funktionieren gut. Täglich werden Hunderttausende Menschen geimpft, am vergangenen Samstag waren es etwa mehr als 500.000. Nur Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate, beides kleine Länder, haben anteilig mehr Menschen geimpft als die Briten.

Die Grundlage für den britischen Impferfolg hat die Risikokapitalunternehmerin Kate Bingham gelegt. Sie führte bis Dezember ehrenamtlich die »UK Vaccine Taskforce« an, eine spezielle Gruppe in der Regierung, die für Impfstoffbeschaffung zuständig war. Früh genug schloss sie Verträge mit Pharmaunternehmen ab und sicherte dem Königreich insgesamt rund 400 Millionen Impfdosen, die nun nach und nach geliefert werden. Jetzt wird sie von der britischen Presse als »Impfstoff-Zarin« gefeiert. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass sie eine russische Monarchin wäre. Die Bezeichnung »Zarin« wird im Vereinigten Königreich für Menschen verwendet, die von der Regierung beauftragt werden, große gesellschaftliche Aufgaben zu…