Alle Krankheiten beginnen im Darm, befand Hippokrates vor mehr als zweitausend Jahren. Der Lehrsatz des berühmten Arztes aus der griechischen Antike trifft teilweise auch auf Covid-19 zu. Der Zustand des Darms zum Zeitpunkt einer Infektion entscheidet offenbar darüber mit, ob die Erkrankung ausbricht und wie schwer sie verläuft.

Im menschlichen Darm leben normalerweise Billionen nützliche Bakterien und stärken die Abwehrkraft. Wenn aber diese Symbiose gestört wird und eine Fehlbesiedlung, eine sogenannte Dysbiose, entsteht, kann die Darmschleimhaut dünn und sogar durchlässig werden – und das macht sie offenbar besonders anfällig für das neuartige Coronavirus.

»Eine Dysbiose und der damit einhergehende undichte Darm könnten die Schwere der Infektion verschlimmern, weil das Coronavirus an die Oberfläche des Darmepithels und in besonders ernsten Fällen durch den Blutstrom zu den inneren Organen gelangen kann«, sagt der Mikrobiologe Heenam Stanley Kim von der Korea University in Seoul.

Für diese Corona-Darm-Verbindung spricht eine Beobachtung aus Industrieländern. Deren Einwohner haben vergleichsweise häufig einen schweren Covid-19-Verlauf und ernähren sich oftmals von stark verarbeiteten Lebensmitteln. Kim sagt: »Ein Hauptmerkmal der westlichen Ernährungsweise ist der geringe Anteil an Ballaststoffen.«