Erst waren negative Zinsen für Privatkunden die Ausnahme, nun werden sie zur neuen Normalität. Im Dezember ist der Zinssatz für Spareinlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr in Deutschland erstmals unter null gesunken. Mit anderen Worten: Wer seiner Bank länger Geld anvertraut, zahlt dabei drauf.

Das zeigt das neue »Zinsradar« des Fintechs Weltsparen, das sich Daten der Europäischen Zentralbank bezieht und über das die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (»FAZ«) zuerst berichtet hat. Demnach lag der durchschnittliche Zinssatz für Einlagen im Dezember in Deutschland bei -0,01 Prozent. Eingerechnet sind dabei sämtliche Neuanlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr. »Deutsche Sparer zahlen somit im Schnitt Strafzinsen auf ihre Festgeldanlagen«, heißt es bei Weltsparen.

Banken müssen schon länger negative Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Schon 2014 führte die EZB im Euroraum negative Einlagezinsen ein, um ihr selbst gestecktes Inflationsziel zu erreichen. Die Zentralbank soll für stabile Preise sorgen und peilt dabei mittelfristig eine jährliche Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an – doch dieses Ziel verfehlen die EZB und andere Notenbanken seit Jahren. Die niedrigeren Zinsen sollen der niedrigen Inflationsrate entgegenwirken.

Jahrelang gaben Banken die negativen Zinsen nur zögerlich an Kunden weiter: Strafzinsen wurden zunächst vor allem für größere Anlagesummen fällig. Auch bei Unternehmen berechneten die Institute ein sogenanntes »Verwahrentgeld«. Die neuen Daten zeigen nun, dass die Negativzinsen auch Privatkunden erreichen. Deutschland ist dabei kein Einzelfall: In Dänemark sind die Zinsen für Privatkunden schon länger negativ, neu kommt nun auch Luxemburg dazu.

Das bedeutet aber nicht, dass bereits jeder Bankkunde in Deutschland von Negativzinsen betroffen ist. Zwar berechnen manche Banken beim Tagesgeld inzwischen Negativzinsen ab dem ersten Euro. Bei Girokonten werden oft aber…