Wien, Radetzkystraße, achter Stock, Dienstag 16 Uhr: Besuch im Büro von Vizekanzler und Grünenchef Werner Kogler. Während im Nationalrat die Abstimmung über den Misstrauensantrag gegen Finanzminister Gernot Blümel läuft, gibt sich Kogler trotz aller Verwerfungen in der Koalition locker. Sein Fahrrad hat er vor dem Schreibtisch geparkt, er lässt sich ein Wasser bringen, dann geht es los.

SPIEGEL: Herr Vizekanzler, Sie sind seit gut einem Jahr Koalitionspartner der ÖVP von Kanzler Sebastian Kurz. Aber es hagelt für Sie Kritik von allen Seiten, auch von Ihrer eigenen Basis. Sinngemäß klingt das so: Kurz gönnt Kogler keinen Punkt, die Grünen werden untergebuttert, vorgeführt.

Werner Kogler: Unsere Parteibasis ist im Wesentlichen eine sehr stabile Angelegenheit. Das Regierungsübereinkommen wurde von ihr mit über 90 Prozent abgesegnet. Die Kritik an uns hat auch damit zu tun, dass die großen Dinge, die gelingen, weniger im Fokus stehen. Es fehlt oft der Blick aufs Gesamtergebnis.

SPIEGEL: Kann es sein, dass Ihnen und Ihrer Partei etwas fehlt, was die Kurz-Truppe zu haben scheint: Abgebrühtheit, Kaltblütigkeit?