Die Armee und der Zivilschutz sollen bei der Impfkampagne helfen, örtliche Krankenhäuser gestärkt werden: Italiens neuer Regierungschef Mario Draghi hat zum gemeinsamen Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. Er sprach bei seiner ersten Ansprache im Senat von einer »nationalen Verantwortung«.

Die Coronakrise habe für enorme Einschnitte in Italien gesorgt. Das Land müsse rasch zum normalen Schulbetrieb kommen, sagte Draghi. Es müsse alles getan werden, um die verlorenen Unterrichtsstunden für die Kinder wieder wettzumachen. Der 73-Jährige betonte zudem die hohe Bedeutung des europäischen Gedankens.

Der Ex-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) muss für sich und sein Kabinett in beiden Häusern der Volksvertretung in Rom um Vertrauen bitten. Die Abstimmung im Senat war erst nach einer mehrstündigen Debatte am späten Abend gegen 22 Uhr geplant.

Draghi hat ein breites Parteienspektrum von rechts bis links in seine Regierung geholt. Deshalb gelten die Mehrheiten bei den Vertrauensfragen als gesichert. Die neue Regierung setzt sich aus parteilosen Experten, Politikveteranen und einer Reihe von Ministern aus der Vorgängerregierung zusammen.

Die alte Mitte-links-Koalition von Giuseppe Conte war im Januar mit dem Auszug der Splitterpartei Italia Viva des Ex-Premierministers Matteo Renzi zerbrochen. Grund des Bruchs war der Streit um rund 200 Milliarden Euro an EU-Hilfsgeldern in der Coronakrise gewesen. Am 26. Januar war Conte zurückgetreten.

Die neue Regierung hat gewaltige Aufgaben vor sich: Italiens Wirtschaft ist in der schlimmsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, 420.000 Menschen haben ihre Arbeit verloren. Umso dringender benötigt das Land die Corona-Hilfszahlungen der Europäischen Union.

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