Das kennen alle Tennisspielerinnen oder Tennisspieler, wirklich alle. Es ist eine dieser Situationen, die man hasst und nach denen man das Racket gerne bei eBay endlagern würde. Folgende Ausgangslage: Da führt man deutlich im Match, macht fast jeden Punkt, liegt zum Beispiel 6:1, 2:0 vorne und ist gedanklich schon fast unter der Dusche. Und dann geht die Sache schief. Reingefallen.

Um dann – einfach zu verlieren

So einen Reingefallen-Tag hatte die Lokalmatadorin Ashleigh Barty im Viertelfinale der Australian Open gegen die Tschechin Karolina Muchova. Und es lag nicht nur an den bisher eher überschaubaren Erfolgen von Frau Muchova, dass kaum jemand unter den Beobachtern des Turniers mit diesem Spielergebnis gerechnet hatte. Sondern es lag auch daran: Barty führte, wie erwähnt 6:1, 2:0, rannte wie gewohnt an der Grundlinie schneller hin und her als der Ball fliegen konnte und machte vor allem mit ihrem länger und länger werdenden Rückhand-Slice der Gegnerin klar, wer hier an diesem Tag siegen sollte. Um dann – einfach zu verlieren.

Gewonnen, womit niemand gerechnet hat: die Tschechin Karolina Muchova

Wobei – einfach war das nicht. Denn an einem heißen Sommertag in Melbourne wurde die Partie zunehmend zur Tortur. Dass Muchova zwischendurch eine medizinische Auszeit nahm, konnte man böswilligerweise als taktisches Hilfsmittel verbuchen. Ihr Kopf habe sich gedreht, sagte die 24-Jährige. Sie ließ sich den Blutdruck und die Temperatur messen, bekam Eis zur Kühlung und verließ den Platz. Nach einer rund zehnminütigen Pause kam die Nummer 27 der Weltrangliste in das Stadion zurück.

Bei der Australierin auf der anderen Seite lief danach gar nichts mehr zusammen. Und am Ende ging die 24-jährige Lokalmatadorin mit hängendem Kopf und einem 6:1, 3:6, 2:6 vom Platz. Damit vergab die French-Open-Siegerin von 2019 die Chance auf ihren Premieren-Titel beim Heim-Grand-Slam und auf den ersten Turniersieg einer Australierin in Melbourne seit Chris O’Neil 1978. Wer weiß,…