Armin Laschet hat einen Satz gesagt, seitdem steht er unter Feuer. »Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen«, sagte der CDU-Vorsitzende bei einer Videoschalte mit Unternehmern aus Baden-Württemberg. Tage zuvor hatte er noch den Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz verteidigt, wonach weitere Lockerungen erst bei einem Inzidenzwert von 35 möglich sein sollen.

Seitdem fragen viele, welche Haltung Armin Laschet nun eigentlich einnimmt.

Es ist eine Zahl, an der sich plötzlich eine politische Debatte entzündet: Wie sehr soll der Grenzwert unser Leben bestimmen? Und welche Rechtfertigung gibt es für diese Zahl?

Vor allem aber stellt sich die Frage, ob der Grenzwert noch sinnvoll ist, wenn die ansteckendere Corona-Variante aus Großbritannien jetzt schon bei mehr als 20 Prozent der untersuchten Proben auftritt, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn heute bekannt gab.

Nadelöhr in die Freiheit

Lange Zeit war es eine andere Zahl, die als politischer Richtwert im Kampf gegen das Coronavirus galt. War die Zahl an Neuinfektionen in einer Woche höher als 50 pro 100.000 Einwohner, waren strenge Maßnahmen nötig, bis hin zum Shutdown. Lag sie darunter, waren erste Öffnungen denkbar. 50 war die goldene Zahl, in der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin ist sie abgelöst worden.