Es waren gut zwei Stunden gespielt in der Rod Laver Arena in Melbourne, da brach es aus Novak Djokovic heraus. Er nahm seinen Schläger und zerschlug ihn wutentbrannt auf dem blauen Boden – da hatte Alexander Zverev gerade das 4:1 im dritten Satz erspielt. Erstaunlich viele Fehler waren dem wegen einer Bauchmuskelverletzung angeschlagenen Rekord-Titeljäger in Australien unterlaufen, bis zu diesem Zeitpunkt allein vier Doppelfehler. Der erste Satz war schon an Zverev gegangen.

Acht Mal hat Djokovic die Australian Open bereits gewonnen, zuletzt zweimal nacheinander. In diesem Viertelfinale schien er schlagbar. Die Nummer sieben der Tennis-Weltrangliste machte es ihm schwer. Mutig und nervenstark spielte Zverev. Er servierte gut, zeitweise mit Aufschlägen von über 220 km/h. Doch nach seinen ersten beiden Doppelfehlern wendete sich das Blatt. Djokovic platzierte stark und holte sich den dritten Satz mit einem gewaltigen Freudenschrei.

Der vierte Satz geriet zum Besten, was das Tennis derzeit zu bieten hat. „Absolute Weltklasse“, schwärmte Boris Becker bei Eurosport. Beide Spieler gingen an ihre körperlichen und mentalen Grenzen, forderten sich, das Spiel wog hin und her – bis in den Tiebreak. Dort zeigte Djokovic seine ganze Klasse. Zverev musste sich nach dreieinhalb Stunden mit 7:6 (8:6), 2:6, 4:6 und 6:7 (6:8) geschlagen geben. „Bis zum letzten Punkt hätte jeder von uns das Match gewinnen können“, sagte Djokovic nach dem Ende: „Es war ein großer Kampf und Pech für Sascha.“

Für Zverev war es die neunte Niederlage gegen einen Top-Ten-Spieler bei einem Major. Im vergangenen Jahr war er in Melbourne erst in der Runde der letzten Vier am Österreicher Dominic Thiem gescheitert.

Familientross in Australien

Zverevs Karriere war von Kindesbeinen programmiert – als Sohn zweier ehemaliger russischer Tennisprofis, Mutter Irina und Vater Alexander Zverev Senior, dominierte der „weiße Sport“ das Familienleben. Zverev wurde in Hamburg geboren und dort wie sein Bruder…