von Rebecca Baden

17.02.2021, 13:35 Uhr

Im Juni 2020 ruft Maïmouna Obot die Polizei zum Tübinger Bahnhof, weil Fahrgäste ihre Masken nicht ordnungsgemäß getragen haben sollen. Monate später soll sie dafür zahlen. Nun wird sogar gegen die Stuttgarterin ermittelt. 

Am 20. Juni 2020, inmitten der Corona-Pandemie, fährt Maïmouna Obot in Baden-Württemberg mit der Bahn. Sie sei von einer Wanderung zurück nach Stuttgart gefahren, erzählt sie heute. Die Bahn sei sehr voll gewesen, und viele der Fahrgäste hätten keine Maske getragen. In Absprache mit dem Zugführer und auf dessen Rat hin habe Obot sich entschieden, die Polizei zu rufen. Als der Zug gegen 21 Uhr am Bahnhof Tübingen einfuhr, kamen auch die Bundespolizisten. Doch Monate später bekommt Obot Post: Sie soll eine Rechnung zahlen, außerdem haben die Beamten sie wegen Beleidigung und falscher Verdächtigung angezeigt. Was war passiert?

Die Geschichte, die Maïmouna Obot gegenüber dem stern über den Samstagabend im Juni erzählt, klingt nach einem gewöhnlichen Einsatz: „Die Polizisten haben freundlich gegrüßt, als sie kamen“, sagt sie. „Der Dünnere der beiden ging durch den Zug und hat die Leute ermahnt.“ Der zweite Beamte habe in dem Zugteil, in dem auch Obot war, den jugendlichen Fahrgästen die Regeln erklärt. In der ganzen Zeit habe der Zug in Tübingen gehalten.