Wenn sich die führenden Regierungschefs des Westens dieser Tage zu China äußern, könnte es unterschiedlicher kaum klingen. Von »politischer Übereinstimmung« und einer »neuen Qualität« schwärmte Angela Merkel, als sie Ende Januar Europas neues Handelsabkommen mit Peking pries.

Joe Biden dagegen, der neue US-Präsident, hatte bei seinem ersten Telefonat mit Chinas Staatschef Xi Jinping wenige Tage später vor allem Klagen vorzubringen. Die Unterdrückung der Uiguren, unfaire Handelspraktiken, Drohungen gegen Taiwan: Das alles bereite ihm »grundlegende Sorgen«, warnte der US-Präsident. China zeichne sich durch aggressives Verhalten aus.

Von einem Neustart im westlichen Bündnis ist seit Bidens Amtsantritt die Rede, doch wenn es um den Umgang mit der aufstrebenden Supermacht im Fernen Osten geht, sind die Differenzen so groß wie eh und je. Zwischen Berlin und Washington liegen Welten, und der Grund dafür ist nicht zuletzt darin zu suchen, dass Chinas Aufstieg im Westen höchst unterschiedliche historische Vergleiche provoziert.