Der Impfstoff von AstraZeneca entwickelt sich in Deutschland zum Corona-Paradoxon. Obwohl es noch immer viel zu wenig Impfstoff gibt, bleiben Dosen des Herstellers ungenutzt liegen. Von den bundesweit mehr als 736.000 Ampullen wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag nur 64.869 verwendet.

In Wahrheit könnte schon mehr AstraZeneca-Impfstoff eingesetzt worden sein, weil verimpfte Dosen mit etwas Verzögerung gemeldet werden. Ein so geringer Teil überrascht jedoch und die nächsten mehr als 730.000 Dosen sind bereits unterwegs.

Gerade medizinisches Personal zögert offenbar, sich den Impfstoff verabreichen zu lassen, heißt es aus mehreren Bundesländern. Ein möglicher Grund: Bei der Zulassung hatte sich das Präparat von AstraZeneca als weniger wirksam erwiesen als die Produkte von Biontech und Moderna. Konnten diese 95 Prozent der Covid-19-Erkrankungen verhindern, lag die Schutzwirkung bei AstraZeneca laut europäischer Arzneimittelbehörde Ema bei 60 Prozent.

60 Prozent wirksam heißt nicht, dass 40 Prozent krank werden

Allerdings hat selbst eine scheinbar niedrige Wirksamkeit von 60 Prozent eine andere Bedeutung, als viele denken. Denn das heißt nicht, dass der Stoff nur bei 60 Prozent der Geimpften wirkt und die übrigen 40 Prozent krank werden. Die Sache ist etwas komplexer. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

In den groß angelegten Studien wurde nicht das absolute Risiko einer Erkrankung für jeden Geimpften ermittelt. Dazu hätte man die Probanden absichtlich dem Virus aussetzen müssen – eine solche Studie würde allein aus ethischen Gründen nicht erlaubt. Denn dafür müsste man schwere Verläufe oder gar Todesfälle unter den Probanden in Kauf nehmen.

Getestet wurde bei AstraZeneca stattdessen, wie auch bei den anderen Corona-Impfstoffen, das relative Risiko – also wie viele Geimpfte sich im Vergleich zu Nicht-Geimpften im Alltag anstecken. Im Fall von AstraZeneca heißt das, unter den Geimpften gibt es 60 Prozent weniger Erkrankungen…