Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli glaubt, dass sich inzwischen mehr Menschen über ein »Rassismusproblem« in Deutschland bewusst sind, als noch vor einigen Jahren.

Der Einschätzung der Grünen-Abgeordneten Aminata Touré, wonach die jüngere Generation beim Thema Rassismus aufgeklärter sei, schloss sich Chebli an. »Spätestens seit dem rechtsextrem motivierten Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke ist auch hierzulande in der Mehrheitsgesellschaft angekommen, dass wir ein Rassismusproblem haben«, sagte Chebli im Interview mit dem Portal »Watson«.

Auch ihr persönlicher Umgang mit dem Thema habe sich verändert. »Wenn ich meine persönliche Geschichte anschaue, spielte der Begriff Rassismus in der deutschen Welt von damals keine Rolle«, sagte Chebli. »Ich habe das einfach hingenommen«, sagte die Politikerin über Anfeindungen, die sie in der Vergangenheit erhalten habe.

Für junge Menschen sei es dagegen »heute selbstverständlich, offen über Rassismus zu sprechen. Und auch die Politik scheut das Wort nicht mehr.« Mit Blick auf die derzeitigen Einschränkungen in der Corona-Pandemie äußerte sie Verständnis für die Sorgen vieler junger Menschen. »Ich finde dieses Bashing junger Menschen unerträglich«, sagte Chebli. Es verdiene Respekt, wenn sich junge Menschen angesichts des »schrecklichen Einschnitts« durch die Pandemie weiter »motivieren, trotzdem zu lernen, keine Freunde zu treffen, keine Partys zu feiern«.

Chebli hatte auf Twitter und Facebook immer wieder von rassistischen oder sexistischen Beleidigungen und Belästigungen gegen sie berichtet. Chebli ist seit 2016 Staatssekretärin für Bürgerliches Engagement.

In Berlin hatte sich Chebli zuletzt für die Bundestagskandidatur im SPD-Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf beworben. In einer Abstimmung setzte sich jedoch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller gegen sie durch. Im Interview sagte Chebli nun, sie wisse noch nicht, wie es für sie nach der Landtagswahl in Berlin im…