Während ich diesen Text schreibe, denke ich darüber nach, ob er wirklich eine gute Idee ist. Werde ich mal wieder Mails bekommen, in denen steht, ich müsse nur so richtig »durchgef*ckt« werden oder Schlimmeres – oder etwas harmlosere, in denen der Absender laut überlegt, dass man ja eh nicht so genau wisse, ob ich ein Mann oder eine Frau sei?

Die Beleidigungen und Drohungen sind immer dieselben, sie sind austauschbar. Und dennoch lassen sie sich nicht ausblenden. Es hat Folgen, für seine Arbeit oder die Äußerung einer Meinung bedroht zu werden. Gegen viele Zuschriften gibt es mittlerweile Filter oder andere technische Tools, aber eines können sie nicht wegfiltern: Wie allgegenwärtig der Hass mittlerweile ist, vor allem, aber längst nicht nur, für Frauen.

Ich kenne keine Frau, die sich in den sozialen Netzwerken zu Wort meldet, die noch nie beleidigt oder bedroht oder mit einem ungewollten Penisbild bedacht wurde. Einige Hassmailer brauchen gar keinen inhaltlichen Anlass, es scheint für sie schon zu reichen, dass man überhaupt existiert.

Seit Jahren weisen Feministinnen darauf hin, wie eng Frauenhass und Rechtsextremismus miteinander verwoben sind. Doch die Behörden unterschätzen das Problem immer noch. Und das ist ein Skandal. Denn es ist alles andere als neu. Bereits 2013 machten Feministinnen nach der #Aufschrei-Kampagne, die die alltägliche sexualisierte Gewalt beschrieb, der Frauen ausgesetzt sind, Erfahrungen mit digitaler Hassrede – und seitdem ist eigentlich alles nur noch schlimmer geworden.

Mittlerweile trifft es nicht mehr nur Aktivistinnen oder Politikerinnen, sondern auch Wissenschaftler, Professorinnen oder Virologen. Und das, obwohl es mittlerweile Gesetze gegen Hass und Hetze gibt. Genutzt haben sie wenig, es hapert an vielen Stellen – auch an der Umsetzung.

Das liegt sicher auch daran, dass Misogynie, Rassismus, Frauenhass und Hass auf queere Menschen tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind – und Betroffene deshalb früh lernen, sich…