Die Kritik an der Rechtsprechung eines von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Gerichts im Gazastreifen hat offenbar Konsequenzen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, soll ein umstrittenes Urteil, das Frauen Reisen ohne Zustimmung ihres männlichen Vormunds verbietet, erneut geprüft werden.

»Wir haben uns darauf verständigt, die Entscheidung umzuformulieren«, sagte der Vorsitzende des Scharia-Rechtsrats in Gaza, Hassan Jojo, laut Reuters. Jojo hatte den Erlass demnach zuvor selbst unterstützt. Wie genau der Erlass des Gerichts nun neu formuliert werden soll, war zunächst unklar.

Das Gericht hatte am Sonntag unter anderem entschieden, nicht verheiratete Frauen dürften nur mit Genehmigung ihres männlichen Vormunds reisen. Damit ist für gewöhnlich der Vater oder ein anderer Verwandter gemeint. Hintergrund der Verordnung ist offenbar, dass die Abwanderung von Frauen aus Gaza auf der Suche nach Jobs oder Bildungsmöglichkeiten eingeschränkt werden sollte. Die Arbeitslosigkeit im Gazastreifen ist extrem hoch.

Laut der Nachrichtenagentur AP legte der Erlass darüber hinaus nahe, auch verheiratete Frauen benötigten die Zustimmung ihrer Männer und müssten eine Erlaubnis vorab bei Gericht beantragen. Auch Männer können laut AP von ihren Vätern oder Großvätern an Reisen gehindert werden, falls dies »schweren Schaden« anrichte. Allerdings sei dafür ein spezieller Antrag erforderlich.

Menschenrechtler beklagten Grundrechtsverstoß

Die Maßnahme hatte zuvor scharfe Kritik ausgelöst. Mustafa Ibrahim von der palästinensischen Unabhängigen Kommission für Menschenrechte sagte etwa, die Entscheidung des islamischen Gerichts verstoße gegen die Grundrechte. Auch der Euro-Mediterrane Menschenrechtsmonitor kritisierte die Verletzung internationalen Rechts sowie der Reisefreiheit.

Reisen junger Frauen ohne Zustimmung der Eltern werden in der sehr konservativen Gesellschaft in dem Palästinensergebiet als Schande für die Familie angesehen.

Die…