„Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfindet“, sagte der Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. „Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen.“ Man müsse all die anderen Schäden etwa für die Gesellschaft und die Wirtschaft genauso im Blick haben wie die Inzidenzen, betonte der neue Chef der deutschen Christdemokraten (CDU).

Kanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der 16 Bundesländer hatten vergangene Woche vereinbart, den Lockdown in weiten Teilen bis zum 7. März zu verlängern. Sollte die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz – also Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen – stabil unter 35 sinken, sollen die Beschränkungen von den Ländern schrittweise gelockert werden – zunächst für den Einzelhandel, Museen und Betriebe mit körpernahen Dienstleistungen. Zuvor war oft ein Unterschreiten der Inzidenz 50 als Ziel genannt worden.

Aktuell liegt der Wert im bundesweiten Schnitt bei 59, wie das Robert-Koch-Institut am Dienstagmorgen mitteilte. Der bisherige Höchststand war kurz vor Weihnachten mit fast 200 erreicht worden.

Seit vielen Wochen geschlossen: Einzelhandelsgeschäft in Berlin

Saskia Esken, die Vorsitzende der Sozialdemokraten (SPD), warnte in der Öffnungsdebatte vor zu frühen Versprechungen. „Angesichts der noch immer unklaren Situation hinsichtlich der Verbreitung und Auswirkung von Virusmutanten müssen wir weiterhin auf Sicht fahren und dürfen keine Versprechen abgeben, die wir nicht halten können“, sagte Esken. Zugleich merkte sie an, ein bundesweit abgestimmter und nachvollziehbarer Stufenplan müsse sich „strikt am Infektionsgeschehen orientieren“.

„Ein hohes Risiko“

Der Immunologe Michael Meyer-Hermann hält es ohnehin für möglich, dass ansteckendere Virusvarianten die angepeilte Inzidenz von 35 torpedieren. Sollte sich das Vorkommen der Mutante B.1.1.7 ungünstiger entwickeln als…