Eine Woche nahm sich die Volksrepublik Zeit, um die BBC sturmreif zu schießen. »Seit Langem attackiert die BBC die Kommunistische Partei und die Regierung Chinas und zieht sie bösartig in den Schmutz«, sagte der chinesische Außenamtssprecher Wang Wenbin am vorvergangenen Freitag. Das Parteiblatt »Global Times« widmete den angeblichen »Anti-China-Taktiken« der BBC eine Titelgeschichte, die »China Daily« einen Leitartikel.

So war der Boden bereitet, als die chinesischen Behörden den internationalen Dienst der BBC am Donnerstag in China schließlich ausschalteten.

Im Schatten der Konflikte um Xinjiang, Hongkong oder Taiwan hat in den vergangenen zwölf Monaten ein weiteres Kräftemessen zwischen Peking und dem Westen begonnen, das man in Analogie zu Handelskrieg und »Tech War« fast schon als Pressekrieg bezeichnen kann. Die BBC ist sein jüngstes, aber nicht das erste Opfer. Einzelne Journalisten sind die Bauern in diesem geopolitischen Schach; auf dem Spiel steht die globale Verfügbarkeit von unabhängigen, vor Ort recherchierten Informationen über China.