Auf dieses Spiel warte ich seit Jahrzehnten. Mein heiß geliebter Verein Borussia Mönchengladbach steht erstmals in einem Achtelfinale der Uefa Champions League. Gut, auch die Siebzigerjahre waren für meinen Verein auch sehr erfolgreiche Zeiten. Aber damals war die Champions League noch nicht erfunden – und ich größtenteils noch nicht geboren.

In wenigen Tagen darf die Borussia nun gegen Manchester City antreten, die Startruppe von Startrainer Pep Guardiola. Unter normalen Umständen hätte ich alles dafür getan, um live im Stadion zu sein. Um dort zu singen, zu toben, zu schimpfen, zu jubeln. Wie ein kleiner Junge habe ich mich

auf mein erstes Achtelfinale gefreut. Jetzt aber habe ich jede Vorfreude verloren.

Das liegt nicht am leeren Stadion. Als Fußballfan und Pandemieteilnehmer ist man immer neue Zumutungen ja gewohnt. Ich fand es auch legitim, dass der Bundesligabetrieb mit Geisterspielen fortgesetzt wurde. Ohne sie wäre manch einsamer Tag im Shutdown noch trister geworden. Gut möglich, dass der Fußball die ein oder andere Depression verhindern konnte.

Nun aber wird es völlig absurd. Weil die Einreise aus Großbritannien nach Deutschland derzeit wegen der hochansteckenden Virusvariante B.1.1.7 zu Recht verboten ist, wird Gladbach sein »Heimspiel« gegen Manchester nun in Budapest austragen. Zwei Mannschaften düsen in Zeiten, da nicht gereist werden sollte, ins Corona-»Risikogebiet« (Auswärtiges Amt) Ungarn, um so die Gesetze in Deutschland auszutanzen. Sie nutzen dabei eine Sonderregel für Profisportler, die die Regierung von Viktor Orbán erlassen hat. Auch das Heimspiel von Rasenballsport Leipzig gegen den FC Liverpool wird in Budapest stattfinden.

Dieser Ausweichtourismus ist ähnlich beknackt und überflüssig wie die kurze Stippvisite des FC Bayern München nach Katar, um dort an einer »Klub-WM« teilzunehmen, deren sportlicher Wert mit der Stadtmeisterschaft von Elmshorn vergleichbar ist und deren alleiniger Reiz die vielen Millionen sind, die der…