Einmal auf den Touchscreen gedrückt, mit dem Finger unterschrieben, und Whitney Wolfe Herd ist Milliardärin. In diesem Moment nämlich ist ihr Unternehmen, die Dating-App Bumble, ganz offiziell an der Börse. Am Ende des Tages wird es mehr als acht Milliarden Dollar wert sein. Aus der Decke regnet es gelb-weiße Luftballons und Konfetti, um Wolfe Herd herum klatschen und tanzen Mitarbeiter mit Maske und Sicherheitsabstand. Herd, ihren einjährigen Sohn auf der Hüfte wippend, in einem Blazer in Sonnengelb – der Farbe ihres Unternehmens –, ist jetzt mit 31 Jahren die jüngste Firmenchefin eines börsennotierten Unternehmens. Auf Twitter teilt sie später das Video und schreibt dazu: »Ich hoffe, dass mein Sohn später sieht, dass Frauen und Mütter, die Firmen leiten, die Norm sind, nicht die Ausnahme.«

Mit dem Börsengang in der vergangenen Woche ist Wolfe Herd in eine neue Sphäre vorgestoßen – eine, in der bisher fast nur Männer herrschten. Kaum eine Branche ist so männlich dominiert wie der Tech-Sektor. Und jetzt ist ausgerechnet eine Frau wie Wolfe Herd mit dabei, die ganz offen mit dem Männerklub bricht. Tatsächlich basiert ihr gesamtes Unternehmen darauf, dass Frauen so viele schlechte Erfahrungen machen, bei der Arbeit wie auch privat. Mit Bumble wollte Wolfe das ändern – angefangen bei der Art, wie Menschen sich kennenlernen.