Sonntagnacht traf es sieben Hilfskräfte der Armee tödlich, als Taliban ihren Posten im Norden der Provinz Kunduz überfielen. Am 6. Februar starben zwei Soldaten und ein Geheimdienstler im Kugelhagel der Aufständischen im Süden der Provinz, am 5. Februar überrannten Taliban eine Stellung im Osten von Kunduz und erschossen 18 Uniformierte. Am 2. Februar starben vier Polizisten mitten im Stadtzentrum von Kunduz in einem stundenlangen Feuergefecht.

Kunduz, einst Synonym der Bundeswehr in Afghanistan, ist zur Kampfzone geworden, eine von vielen, im mörderischen Vorstoß der Taliban. Sie wollen die Regierung in Kabul zum Kollaps bringen, während die ausländischen Truppen bis zum 1. Mai das Land verlassen haben sollen. So wurde es ausgehandelt vor einem Jahr zwischen der Regierung von Donald Trump und Emissären der Taliban.

Mitten in die fieberhaften Debatten innerhalb der neuen US-Regierung und der Nato, ob die entsandten Truppen nicht doch länger bleiben sollen, kommt aus Straßburg wie ein fernes, juristisches Echo das finale Verdikt des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zum fatalsten deutschen Angriff: In der Nacht zum 4. September 2009 hatte der damalige deutsche Befehlshaber in Kunduz, Oberst Georg Klein, die Bombardierung zweier von Taliban am Tag zuvor entführter Tanklaster befohlen, die in der Furt des Kunduz-Flusses einige Kilometer südlich der deutschen Basis festsaßen.

»Nur noch geringe Spuren Humanmaterials«

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Ausgebrannte Tanklaster: Zwei 250-Kilo-Bomben schlugen um 1.49 Uhr nachts ein und töteten fast ausschließlich Zivilisten

Foto: STR/ AFP

Lapidar teilte das Bundesverteidigungsministerium später mit, »zwischen 17 und 142« Menschen seien beim befohlenen Angriff durch amerikanische Jets umgekommen. Deutsche Feldjäger hätten am Morgen »nur noch geringe Spuren Humanmaterials« an der Einschlagstelle der beiden Bomben finden können. Gestorben seien ausschließlich Taliban, verkündete der…