Es gab in den vergangenen Monaten nicht viele Gelegenheiten, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Die Menschen sind gezwungen, auf soziale Distanz zu gehen. Das Internet war und ist in der Corona-Pandemie ein Zufluchtsort, um miteinander in Verbindung zu bleiben, in Kontakt zu treten – und Solidarität zu erzeugen.

Zu einem Wir-Gefühl trug besonders im Jahr 2020 auch die „Jerusalema“-Challenge bei: Zum Ende 2019 erschienenen Lied des südafrikanischen Sängers Master KG tanzten Menschen weltweit in selbst gedrehten Videos, in Deutschland vor allem jene, die in dieser schwierigen Zeit in systemrelevanten Berufen arbeiten: Polizeibeamte und -beamtinnen, Pfleger und Pflegerinnen, Feuerwehren. Ihre Videos auf YouTube sind millionenfach angeklickt worden, noch immer kommen täglich neue Filme hinzu.

„Jerusalema“ ungefragt genutzt

Nun hat die Plattenfirma Warner, bei der Master KG unter Vertrag steht, Lizenzgebühren für die Verwendung des Liedes in den Videos eingefordert. Die Tänzerinnen und Tänzer hatten das Lied meist einfach genutzt, ohne vorab das Einverständnis einzuholen oder die Bedingungen abzufragen. Das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen hat die Forderungen für die teilnehmenden Polizei-Dienststellen des Bundeslandes einem „Focus“-Bericht zufolge bereits beglichen.

Die Plattenfirma Warner Germany beschwichtigt: Von Strafzahlungen könne keine Rede sein, sagt eine Unternehmenssprecherin auf DW-Anfrage. Private Personen müssten für die Verwendung von „Jerusalema“ im Rahmen der Challenge in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine Lizenz einholen. Anders sehe es aus, wenn „ein werblicher oder imagefördernder Effekt zugunsten einer Institution, Organisation oder Firma gegeben ist“. Dann gehe es um die Aufnahme von Lizenzverhandlungen.

Moralisch, rechtlich, solidarisch

Die Empörung ist groß. Es kursieren offene Briefe an Warner und in den sozialen Netzwerken braut sich ein Shitstorm zusammen. Der Tenor: Die Plattenfirma wolle sich mit der…