Die Inflation ist nicht nur für Ökonomen eine wichtige Kenngröße. Schließlich bedeutet eine höhere Inflation, dass man für das gleiche Geld weniger Waren erhält. Nun hat die italienische Notenbank womöglich einen neuen Weg entdeckt, um die Inflation zu vermessen: Die Forscher nutzten Twitter-Einträge für ein Barometer, aus dem sich nicht nur die erwartete, sondern auch die tatsächliche Inflation ablesen lässt.

Für die mehr als 100-seitige Studie wurden mehr als elf Millionen italienische Twitter-Einträge von Juni 2013 bis Dezember 2019 gezielt auf Wörter hin ausgewertet, die mit Inflation in Verbindung stehen – also etwa »teures Benzin« oder »hohe Preise«. Werbeeinträge wurden dabei ausgenommen. Bei der Auswertung zeigte sich, dass die Tweets Einblick in die Inflationsentwicklung ermöglichten.

»Die Ergebnisse legen nahe, dass Twitter eine neue, zeitnahe Quelle für die Entwicklung einer Methode zur Bestimmung der Inflationserwartung sein kann«, heißt es. Die Notenbank in Rom geht davon aus, dass ihre Erkenntnisse auch für andere Länder tragen, auch wenn weitere Forschung nötig sei. Der von der Banca d’Italia eröffnete Forschungspfad könnte damit auch der Europäischen Zentralbank dazu dienen, die Zusammenhänge beim Entstehen der Inflationserwartungen und auch der Preisentwicklung an sich besser zu verstehen.

Die Europäische Zentralbank ist zurzeit dabei, ihre geldpolitische Strategie zu erneuern. Im Mittelpunkt steht dabei das aktuelle mittelfristige Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent, das sie bereits seit Frühjahr 2013 verfehlt.

Nachdem in Deutschland die Preise 2020 zwischenzeitlich sogar rückläufig waren, hat die Teuerung zu Jahresbeginn hierzulande deutlich zugeschlagen. Ein wichtiger Grund sind die Maßnahmen für mehr Klimaschutz: Mit dem Auslaufen der niedrigeren Mehrwertsteuersätze, die den Konsum in der Coronakrise ankurbeln sollten, gilt auch eine Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid. Verbraucher müssen…