Amnesty International spricht von einem »politisch motivierten Urteil«: Im Prozess gegen Eren Keskin hat ein Gericht in Istanbul gegen die türkische Menschenrechtlerin sechs Jahre und drei Monate Haft verhängt.

Keskin wurde von der türkischen Justiz die Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen. Hintergrund des Verfahrens ist die Unterstützung als symbolische Chefredakteurin der nach dem Putschversuch inzwischen verbotenen prokurdischen Tageszeitung »Özgür Gündem«. Die Staatsanwaltschaft hatte nach Angaben von Amnesty International (AI) sogar bis zu 15 Jahre Haft gefordert.

Das Istanbuler Gericht verurteilte zudem drei weitere Angeklagte, wie aus dem Protokoll hervorging: Zwei Verantwortliche der Zeitung erhielten demnach ebenfalls eine Strafe von sechs Jahren und drei Monaten wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung, Bilir Zana Kaya, wurde zu zwei Jahren und einem Monat Haft wegen Terrorpropaganda verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Keskin arbeitet nach Angaben von AI seit 1984 als Rechtsanwältin. Sie ist Gründungsmitglied und Ko-Vorsitzende des Menschenrechtsvereins der Türkei (IHD). Als Strafverteidigerin sei sie vor allem mit politischen Fällen befasst, teilte AI mit. Sie setze sich für Opfer sexualisierter Gewalt sowie für die Rechte verfolgter Angehöriger von Minderheiten ein. 2001 erhielt Keskin für ihr Engagement den Menschenrechtspreis der deutschen Sektion von Amnesty International. Zudem ist sie Trägerin zahlreicher anderer Preise, unter anderem des Aachener Friedenspreises (2004).

Nach Angaben von AI wurden gegen Keskin bereits 140 Strafverfahren eröffnet. In einigen Fällen sei sie bereits zu hohen Geldstrafen und erstinstanzlich zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Zusammen mit dem jetzigen Urteil belaufen sich den Angaben zufolge die in erster Instanz gegen Eren Keskin verhängten Haftstrafen auf insgesamt fast 24 Jahre.

Icon: Der Spiegel