Es ist nicht leicht, Maung Sun ans Telefon zu kriegen. Jeden Tag filmt er in den Straßen Ranguns, dokumentiert die friedlichen Demonstrationen. Nachts schneidet er sein Material und lädt es in den sozialen Medien hoch. Die Filme heißen schlicht „Tag 1“ oder „Tag 8“ – entsprechend der neuen Zeitrechnung in Myanmar. Gezählt werden die Tage nach dem Militärputsch, dem Wendepunkt, an dem die Bevölkerung mit Entschiedenheit aufbegehrt: Einige Aktivisten haben sich gar das Datum bereits auf den Unterarm tätowieren lassen.

Filmemacher Maung Sun

Für das DW-Telefoninterview hat Maung Sun sich eine ruhige Seitenstraße gesucht, zu laut sind die Proteste. „Als ich von dem Putsch hörte, war ich einfach nur im Schock“, erzählt der Filmemacher. „Niemand hat das wirklich für möglich gehalten.“ Maung Sun hat gerade erst mit seinem Film „Money Has Four Legs“ beim Busan International Film Festival, den größten Filmfestspielen in Asien, Premiere gefeiert. Ein mutiger Film über Zensur in seinem Land. Eigentlich hätte er nach den Corona-Maßnahmen in Myanmar starten sollen. Eigentlich. Jetzt steht sein Land Kopf. Nicht nur die Meinungsfreiheit steht auf dem Spiel.

Künstler im Ausnahmezustand

„Es ist so ermutigend, die vielen jungen Leute zu sehen und deren kreative Protest-Formen“, sagt der 36-Jährige. Durch die Straßen ziehen verkleidete Geister und Cosplayer in farbenfrohen Kostümen, junge Frauen in Ballkleider mit Schildern wie „Ich will kein Militärregime, ich will einen Freund“, selbstbewusste Drag Queens, Bodybuilder mit nackten Oberkörpern und Postern mit Aung San Suu Kyi.

Htein Lin weiß, wofür er kämpft. Der bekannte Maler und Performance-Künstler war bereits bei dem Volksaufstand 1988 dabei, der mit einer blutigen Niederschlagung durch das Militär endete. Seit der Unabhängigkeit der ehemaligen britischen Kolonie regierte die Armee insgesamt fast fünf Jahrzehnte lang. Suu Kyi, Anführerin der damaligen Oppositionspartei Nationalliga für Demokratie…