Es waren nur sechs Worte. Aber in Nordirland weckten sie bitterste Erinnerungen. In weißen Versalien standen sie Ende Januar plötzlich auf einer grauen Mauer an der Hafeneinfahrt von Larne: »ALL BORDER POST STAFF ARE TARGETS« – alle Grenzkontrolleure sind Ziele. Eine unmissverständliche Drohung.

Zwei Wochen später sind die Worte verschwunden. Man hat sie hastig übertüncht. Jetzt ist da nur noch ein ockerfarbenes Viereck auf einer grauen Wand. Auf sie hat jemand anderes allerdings zwei Fadenkreuze gesprüht. Targets. Schon wieder.

»Verrückt, oder?«, sagt eine blonde Frau, die gleich nebenan im lichtlosen Container der »Breakfast and Burger Bar« arbeitet. Dann lacht sie, »typisch Nordirland«, bevor sie wieder in einer Wolke aus Bratfettdunst verschwindet.

Es sind eisige Tage in Larne. Und das nicht nur wegen des beißenden Windes, der aus dem 30 Kilometer entfernten Schottland über den Nordkanal weht. Ganz plötzlich steht das 18.000-Einwohner-Städtchen im Zentrum eines politischen Streits, der neu und uralt zugleich ist – und der das Zeug dazu hat, schlecht vernarbte Wunden in Nordirland wieder aufreißen zu lassen. Käme es so, hätten die Brexit-Streithähne aus London und Brüssel gemeinsam versagt.