Kurz vor Schluss kamen die Corona-Kranken. Ab 19 Uhr durften am Sonntag in Katalonien auch positiv-getestete Patienten wählen. Die Wahlhelfer legten ihre Schutzanzüge an, ihr Gesicht versteckten sie unter Schutzmasken und Plastikschilden.

In Spanien tobt eine heftige dritte Pandemie-Welle. Die Infektionszahlen sind noch immer hoch. Wer unter diesen Bedingungen wählen geht, muss besonders motiviert sein. Die Wahlbeteiligung brach an diesem Sonntag ein. Nur etwas mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten stimmte ab.

Der Sozialist Salvador Illa hat unter diesen schwierigen Bedingungen die meisten Stimmen erhalten. Er ist gegen einen eigenständigen katalanischen Staat, präsentiert sich aber als Versöhner. Bis vor ein paar Wochen kämpfte Illa in Madrid noch als Gesundheitsminister gegen die Pandemie. Sein Corona-Management war nicht besonders erfolgreich, doch bei seinen Ansprachen strahlte er Ruhe und Kompromissbereitschaft aus. Das allein ist in Spanien in diesen Tagen beinahe ein Alleinstellungsmerkmal.

Illa errang 23 Prozent der Stimmen und 33 Sitze im Parlament, beinahe doppelt so viele wie bei der vergangenen Wahl. Unter Tränen dankte er seiner Familie. Im Parlament wolle er sich zum neuen Regionalpräsidenten wählen lasse, versicherte er.

Doch damit wird Illa nicht durchkommen. Im Parlament fehlt ihm die Unterstützung der anderen Parteien. Kurz vor der Wahl hatten die separatistischen Parteien schriftlich ausgeschlossen, Illa zum Regionalpräsidenten zu machen. Gemeinsam verfügen die Separatisten nun über 74 von 135 Parlamentssitzen – eine komfortable Mehrheit.

Pere Aragonès wird wohl neuer Regionalpräsident

Die Linksrepublikaner der ERC kommen wie Illa auf 33 Sitze. Sie stehen nun vor einer Entscheidung, die Folgen für ganz Spanien haben wird: Ihr Spitzenkandidat Pere Aragonès wird aller Wahrscheinlichkeit nach neuer Regionalpräsident; er könnte entweder einer in erster Linie linken Regierung vorstehen – oder einer radikal-separatistischen.

Das katalanische…