Mit dem Impfangebot ist es wie mit einem Stau. Irgendwann wird es wieder vorangehen, doch bis dahin ist Geduld gefragt. So lange sitzt man auf wenigen Quadratmetern fest, starrt in die Luft und ärgert sich, weil man eigentlich andere Pläne hatte. Es sei denn, man macht es wie der Oberbürgermeister von Halle oder der Bischof von Augsburg und drängelt sich durch die Rettungsgasse, die eigentlich dem medizinischen Personal vorbehalten ist, zur Impfung vor.

Beide wurden im Januar frühzeitig gegen Covid-19 geimpft, betonten aber, nur am Abend übrig gebliebene Dosen verabreicht bekommen zu haben. Der Oberbürgermeister soll dafür von einem Zufallsgenerator von der Liste systemrelevanter Personen ausgesucht worden sein, weil kurzfristig niemand aus der Gruppe mit höchster Priorität zu erreichen gewesen sei. Der Bischof, der seine Spritze in einem Seniorenheim erhielt, begründete seinen Anspruch damit, dort regelmäßig als Seelsorger tätig zu sein.

Doch nicht nur in Deutschland, überall in Europa häufen sich die Fälle von sogenannter Impfdrängelei. Und sie rufen massive Kritik der Bevölkerung hervor. Wir haben fünf aufsehenerregende Beispiele zusammengestellt:

Spanien: der Militär

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Der spanische Generalstabschef Miguel Ángel Villarroya trat aufgrund seiner frühzeitigen Impfung zurück.

Foto: Fernando Alvarado / EPA-EFE

Je höher die Infektionszahlen, desto größer die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus. Noch immer liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Spanien bei 272, in der zweiten Januarhälfte betrug der Wert fast 421. Was liegt da näher, als die Warteschlange zur erlösenden Spritze zu umgehen? Mehr als 700 Politikerinnen und Politiker wurden in Spanien bereits beim Drängeln erwischt, mehr als 200 allein in der Provinz Valencia, die seit Wochen als Hotspot gilt. Auch der oberste Militär, Generalstabschef Miguel Ángel Villarroya, nutzte die Gelegenheit, sich gemeinsam mit anderen ranghohen Offizieren in Madrid…