Am Samstagmorgen haben Thomas Schwarz und seine Disponenten mit einer Hauruck-Aktion versucht, den laufenden Betrieb vor dem schlimmsten Chaos zu bewahren.

Sie haben alle ihre knapp 30 Lkw-Fahrer in Tschechien angerufen, die in den kommenden Tagen für die Spedition Schwarz nach Deutschland fahren sollten – und sie sofort zum Corona-Test beordert. Parallel haben sie für jeden Fahrer digitale Einreiseanmeldeformulare ausgefüllt: so wie es die Bundesregierung auch für den Güterverkehr aus Tschechien verlangt. Die auf Tschechien-Transporte spezialisierte Spedition hat damit alle neuen Vorschriften erfüllt.

Und doch müssen an diesem Montag viele Lkw von Schwarz stundenlang vor der Grenze zu Deutschland warten. Auf tschechischen Autobahnen, inmitten kilometerlanger Staus. »Die beste Vorbereitung nützt wenig, wenn Sie hinter anderen stehen, die nicht die richtigen Papiere haben«, sagt Thomas Schwarz, 54, der das Familienunternehmen aus dem baden-württembergischen Herbrechtingen in der vierten Generation führt. »Unser ganzes Transportnetzwerk ist durcheinandergebracht. Da funktioniert nichts mehr mit Termineinhaltung.«

Szenen wie in der ersten Corona-Welle

Es ist der erste Werktag, an dem die rigiden Einreiseregeln an den Grenzen zu Tschechien und Tirol gelten. Die Bundesregierung hat sie beschlossen: mit dem Ziel, noch ansteckendere Varianten des Coronavirus einzudämmen. Im Alleingang. Ohne die Nachbarstaaten adäquat einzubeziehen. Ganz zu schweigen von der EU-Kommission, die sich um möglichst freie Fahrt für den Güterverkehr bemüht – und von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) abgekanzelt wurde.

Die Schlangen vor manchen Kontrollposten erinnern an das Chaos vom vergangenen Frühjahr: als Deutschland in der ersten Corona-Welle reihenweise Außengrenzen dichtmachte, die Güterversorgung tagelang behindert wurde, Lieferketten zerbrachen, Fabriken stillstanden.

So weit ist es diesmal noch nicht. Aber Ökonomen warnen vor schweren Schäden für die Wirtschaft,…