Ein Regierungsbeamter wird nach dem Putschversuch 2016 entlassen und verurteilt. Nun ist er verschwunden. Seine Familie fürchtet, dass er im Auftrag der Regierung entführt wurde. Es ist nicht der erste Verdachtsfall.

Als die Studentin Nursena Kücüközyigit kurz vor Silvester mit ihrem Vater sprach, ahnte sie noch nicht, dass es vorerst das letzte Mal sein wird.

Es war der 29. Dezember um 15.40 Uhr. Ihr Vater war am Telefon gut gelaunt, wie die 20-Jährige erzählt. Er wollte am nächsten Tag von Ankara in den Norden nach Kocaeli fahren und dort Silvester mit seinen Kindern und seiner Ex-Frau verbringen. Doch in Kocaeli sei er nie angekommen, sagt seine Tochter. Am 31. Dezember meldete sie ihren Vater als vermisst. Hüseyin Galip Kücüközyigit – Jurist, ehemaliger Regierungsbürokrat und nach dem Putschversuch 2016 entlassen – verschwand zwei Tage vor Silvester spurlos, mitten in der türkischen Hauptstadt.

Was mit Kücüközyigit geschehen ist, weiß man nicht. Er sei weder im Krankenhaus noch in Polizeigewahrsam wieder aufgetaucht, sagt seine Tochter. Inzwischen hegt sie einen schwerwiegenden Verdacht: Sie fürchtet, ihr Vater könne im Auftrag der Regierung entführt worden sein, weil es Parallelen zu anderen Verschwundenen gebe. Menschenrechtler und Oppositionspolitiker sprechen von Dutzenden mutmaßlichen Fällen von sogenanntem gewaltsamem Verschwindenlassen seit dem Putschversuch 2016. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert die Behörden dazu auf, den Fall…