Brasiliens Mortadella-König isst Fleisch nur zu besonderen Gelegenheiten. Es habe ihn immer geärgert, dass seine Produkte der Gesundheit schadeten, wenn man zu viel davon konsumiere, bekennt Mario Cerrati, 67: »Es ist wie bei deutscher Wurst: Mortadella enthält viel Salze und Fett.«

Cerrati muss es wissen: Sein Name ist der Inbegriff italienischer Wurstmacherkunst in Brasilien. Das Brazuca-Sandwich vom Zentralmarkt in São Paulo hat einen legendären Ruf, es wird nicht mit einer Wurstscheibe, sondern rund 300 Gramm Mortadella belegt und ist so dick, dass man es kaum ansehnlich essen kann. Vom Mercado Municipal trat die Cerrati-Mortadella den Siegeszug im ganzen Land an.

Doch vor vier Jahren verkaufte der Sohn italienischer Einwanderer seine Firma an einen amerikanischen Lebensmittelmulti und investierte in vegane Kost. »Dieser Markt hat Zukunft«, versichert er per Videointerview aus Lissabon, wo er die Corona-Pandemie aussitzt.

Cerrati kaufte Anteile an Beleaf, einem Start-up der Lebensmittelbranche, das vegane Tiefkühlkost vor allem übers Internet vertreibt. Er dürfte es nicht bereut haben: »Beleaf läuft prächtig«, sagt Fernando Bardusco, einer der Gründer. Innerhalb von drei Jahren habe sich der Umsatz verachtfacht.