Seltener Moment der Eintracht zwischen Frankreich und Russland: Mehr als 200 Jahre nach Napoleons Russlandfeldzug haben Vertreter beider Staaten in der westrussischen Stadt Wjasma die sterblichen Überreste von 126 gefallenen Soldaten beigesetzt. Eine Militärkapelle begleitete die Trauerzeremonie, die bei hochwinterlichen Temperaturen von minus 15 Grad stattfand und an der auch Nachfahren der damaligen Armeekommandeure teilnahmen.

Im Beisein von rund hundert Statisten in historischer Kleidung trugen die Leichenträger acht in die Flaggen Russlands und Frankreichs gehüllte Särge in die frisch ausgehobenen Gräber auf dem Friedhof von Wjasma. Die Särge enthielten Skelettteile von 120 Soldaten sowie drei Frauen und drei Jugendlichen, die in einer der blutigsten Schlachten nach dem Rückzug Napoleons aus Moskau ums Leben gekommen waren.

»Über die Generationen hinweg sorgen Tod und die Zeit für die Versöhnung aller«, sagte Julia Chitrowo, Ururenkelin des russischen Feldmarschalls und Nationalhelden Michail Kutusow, bei der Trauerzeremonie. Der Tod habe die Soldaten »gleichgemacht«. »Sie sind jetzt alle in einem Grab.« Prinz Joachim Murat, Nachfahre des berühmten gleichnamigen napoleonischen Offiziers, gab seiner »großen Ergriffenheit« Ausdruck, an der Veranstaltung »zu Ehren der Soldaten Napoleons« teilzunehmen.

Am 24. Juni 1812 hatte Kaiser Napoleon I. mit seiner gut 500.000 Mann starken Grande Armée den Grenzfluss Njemen zum Zarenreich überquert, um auf Moskau zu marschieren. Doch der Franzose erlitt eine herbe Niederlage und musste sich fünf Monate später zurückziehen. Wie hoch die Verluste waren, ist nicht präzise zu klären: Experten beziffern die Zahl der Toten auf schätzungsweise 200.000 bis 300.000 – nur rund 120.000 Soldaten kehrten lebend zurück.

Vermeintliches Massengrab aus dem Zweiten Weltkrieg

Die Überreste der mutmaßlich bei der verheerenden Schlacht von Wjasma am 3. November 1812 getöteten Armeeangehörigen waren im Jahr 2019 von…