Mit abendlichen Lichter-Spaziergängen haben Menschen in Russland ihre Solidarität mit dem inhaftierten Kremlgegner Alexej Nawalny zum Ausdruck gebracht. Die ersten Bilder, die Nawalnys Team in den sozialen Netzwerken veröffentlichte, zeigten Protestierende im äußersten Osten des Landes, wo es aufgrund der Zeitverschiebung schon mehrere Stunden früher dunkel war als in der Hauptstadt Moskau. In der sibirischen Stadt Irkutsk formten Menschen mit Leuchten das Wort „Freiheit“, andernorts legten sie mit Teelichtern Herzen in den Schnee oder hielten einfach Taschenlampen in die Höhe.

Liebe ist stärker als Angst

Nach den Massenprotesten mit mehr als 11.000 Festnahmen in den vergangenen Wochen hatte sich Nawalnys Team dieses Mal bewusst für eine dezentrale und ungefährlichere Form des Protests entschieden. „Liebe ist stärker als Angst“ lautete – passend zum Valentinstag – das Motto. In Tomsk, wo Nawalny im August Opfer eines Giftanschlags geworden war, projizierte jemand diese Worte groß an die Wand eines Hochhauses. In Wladiwostok sagte ein Mann sie zu seiner Partnerin – und machte ihr dann einen Heiratsantrag.

In der Stadt Kasan an der Wolga nahmen Polizisten laut der Bürgerrechtsorganisation OWD-Info nach einer genehmigten Kundgebung gegen politische Repressionen neun Menschen fest.

Frauen solidarisieren sich mit Julia Nawalnaja

In Moskau und St. Petersburg hatten Hunderte Russinnen bereits am Nachmittag Menschenketten gebildet, um ihre Solidarität mit Nawalnys Frau Julia zum Ausdruck zu bringen, die nun voraussichtlich jahrelang von ihrem Mann getrennt sein wird. Die Aktion, bei der Teilnehmerinnen unter anderem Schilder mit Herzen hochhielten, war auch allen politischen Gefangenen gewidmet. Auf dem Arbat, der Flaniermeile in Moskaus historischem Zentrum, stellten sich rund 300 Frauen zu einer langen Menschenkette auf. In den Händen hielten sie ein langes weißes Band.

Frauen in Moskau bekunden ihre Solidarität mit Nawalnys Ehefrau und mit politischen Gefangenen