Macho, 68, Kulturwissenschaftler und Philosoph, leitet das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien. Der Österreicher beschäftigt sich seit Jahren mit der ambivalenten Beziehung zwischen Mensch und Tier.

SPIEGEL: Herr Macho, Sie leben in Berlin und in Wien, also nicht gerade in Gegenden mit einer hohen Schweinedichte. Dennoch haben Sie viel über das Borstenvieh nachgedacht und geschrieben. Woher rührt Ihre Liebe zu diesen Tieren?

Macho: Die Schweine sind mir tatsächlich sehr nah. In meiner Kindheit habe ich sie auf dem Bauernhof meiner Großeltern erlebt, später durfte ich gelegentlich die Tiere meines damaligen Schwiegervaters betreuen. Schweine sind intelligent, liebevoll, gewitzt und verspielt.

SPIEGEL: Klingt idyllisch.

Macho: Ja, dieses Idyll ist ja auch die eine Seite unseres eigenartigen Verhältnisses zum Schwein. Es ist uns gleichzeitig so nah und so fern.

SPIEGEL: Warum nah?

Macho: Schauen Sie mal, wie umfassend allein unsere Populärkultur von Schweinebildern geprägt ist. Es ist Glückssymbol, Tier des Teufels, das unreine Wesen, das wir nicht essen dürfen. Es ist Schimpfwort, Gegenstand von Kunst, Filmen, Mythen, Sagen und Nippes. Ob Miss Piggy aus der »Muppet Show« oder Filme wie »Ein Schweinchen namens Babe«: Im Alltagsdasein sind Schweine unentwegt präsent. Gleichzeitig gibt es trotz all der Vertrautheit eine wahnsinnige Distanz. Die realen Schweine sind vergessen und weggesperrt in diesen grauenvollem Mastanlagen.