Die linke Bewegung Vetevendosje (Selbstbestimmung) liegt bei der Parlamentswahl im Kosovo nach vorläufigen Ergebnissen vorne, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Nachdem rund die Hälfte der Stimmen ausgezählt ist, soll die Oppositionspartei mit rund 48 Prozent an der Spitze liegen.

Auf ein ähnliches Ergebnis kommt eine Wahltagsumfrage, von der die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Demnach vereinigte Vetevendosje am Sonntag 42 Prozent der Stimmen auf sich, wie das Institut Pipos nach Schließung der Wahllokale um 19 Uhr mitteilte.

Die langjährige Regierungspartei PDK (Demokratische Partei des Kosovos) kam laut den ersten Ergebnissen von Reuters auf rund 18 Prozent der Stimmen, die zuletzt regierende konservative LDK (Demokratische Liga des Kosovos) auf knapp 14 Prozent.

Das Ergebnis spiegelt die Wünschen vieler Kosovaren nach einem grundlegenden Wandel wider. Die von dem ehemaligen Aktivisten Albin Kurti geführte Vetevendosje hat vor allem jüngere und unverbrauchtere Politiker um sich geschart. Sie will die seit Jahrzehnten grassierenden Missstände im Land wie Korruption, Vetternwirtschaft und wirtschaftliche Rückständigkeit beseitigen. Viele kreiden sie jener politischen Garde an, die seit drei Jahrzehnten die Geschicke des Kosovos weitgehend bestimmte.

Albin Kurti will Ministerpräsident werden

Nach Bekanntwerden des Umfrageergebnisses begannen am Sitz von Vetevendosje in Pristina Freudenkundgebungen. Aktivisten und Sympathisanten feierten Kurti, der schon von Februar bis Juni 2020 Ministerpräsident war. Er strebt erneut das höchste Regierungsamt an.

Allerdings hatte ihn die Wahlkommission von der Kandidatenliste seiner Bewegung gestrichen. Grund war eine Vorstrafe, die er sich 2018 wegen einer Tränengasattacke drei Jahre zuvor im Parlament eingehandelt hatte. Kurti ist der Auffassung, dass ihn das neue Parlament zum Ministerpräsienten wählen kann, auch wenn er über kein Abgeordnetenmandat verfügt. Möglicherweise ist das aber von der Verfassung her…