Die US-Politik mag chaotisch wirken, unberechenbar, doch auf zumindest eine Sache ist Verlass: die politisch-moralische Verkommenheit eines großen Teils der republikanischen Mitglieder des US-Senats.

Zum zweiten Mal haben sie Donald Trump in einem Impeachment-Verfahren von jeder Schuld freigesprochen. Er darf sich nun wieder als der große Sieger fühlen, seine fanatischen Anhänger werden mit diesem Ergebnis hochzufrieden sein. Es bestätigt ihre Sicht auf Trump, den unbesiegbaren Auserwählten, der seinen Gegnern einmal mehr überlegen ist.

Für alle anderen Amerikaner ist der Ausgang dieses Verfahrens jedoch ein Schock. Der Präsident, der das Land schützen soll, hat kaltblütig versucht, das Ergebnis der Wahl zu kippen und dafür sogar einen Mob gegen das Parlament in Marsch gesetzt. Und eben jenes Parlament verzichtet nun darauf, ihn dafür zu sanktionieren.

Zu besichtigen ist ein beispielloses Versagen der amerikanischen Demokratie, ein Triumph des Wahnsinns.

Feiglinge und Opportunisten

Die republikanischen Senatoren, die Trump diesen Sieg bescheren, rechtfertigen sich mit einer Vielzahl von vorgeschobenen Argumenten. Wenn sie ehrlich wären, würden sie zugeben, dass sie genau wissen, was für ein politischer Scharlatan Trump ist. Sie würden anerkennen, dass die Anklage der Demokraten schlüssig war. Dass es offensichtlich Trump war, auf dessen Weisungen der Mob hörte, der am 6. Januar das Kapitol stürmte und den Versuch eines Staatsstreichs unternahm. Sie würden auch einräumen, genau zu wissen, dass Trump damit eklatant gegen seinen Amtseid verstoßen hat und bestraft gehört.

Aber das tun sie nicht. Weil sie eine Gruppe von politischen Feiglingen und Opportunisten sind, die sich um die Werte der amerikanischen Demokratie und die Verfassung nicht scheren. Weil sie allein an sich selbst denken.

Die Senatoren wissen ganz genau, wer Trump ist. Es ist vielfach belegt, dass etliche von ihnen noch kurz vor Trumps Wahl 2016 vor seinem autokratischen Machthunger gewarnt…