SPIEGEL: »Erneut rollt eine Hasswelle über mich im Internet, mit Morddrohungen und Beleidigungen, die schwer zu ertragen sind«. Das haben Sie am Sonntag auf Twitter gepostet. Was gab den Ausschlag dafür?

Karl Lauterbach: Am vergangenen Freitag bin ich nachmittags noch mal im Büro durch die Räume meines Teams gegangen. Überall auf den Schreibtischen lagen Briefwechsel mit Staatsanwälten und Ermittlern, die mit Drohungen gegen meine Person zusammenhängen. Das hat mich schon sehr nachdenklich gemacht. Am Samstag dann hat mich die Recherchegruppe »Die Insider« darauf hingewiesen, was in einschlägigen Foren los ist. Daraufhin habe ich gestern meinen Tweet abgesetzt.

SPIEGEL: »Der muss in eine geschlossene Anstalt« war noch der freundlichste Beitrag. Andere rufen unverhohlen zur Gewalt auf. Wie halten Sie das aus?

Lauterbach: Ich versuche das weitestgehend auszublenden. Zudem bin ich schon länger im Politik-Geschäft und halte so einiges aus. Aber ich muss sagen: Der Hass, der derzeit auf mich einprasselt, stellt alles in den Schatten, was ich bisher erlebt habe. Das ist eine neue Dimension der verbalen Brutalität, eine neue Sprache, die mich wirklich verstört.

SPIEGEL: Wie erklären Sie sich die Eskalation der Hass-Botschaften im Netz?

Lauterbach: Die verstärkten Angriffe gegen meine Person hängen ganz eindeutig mit der ausgebliebenen Lockerung in der Coronakrise zusammen. Die Leute sind wütend, weil die Bundesregierung trotz sinkender Fallzahlen keine Lockerungen in Aussicht gestellt hat, sondern vorsichtig bleibt. Was im Angesicht der drohenden dritten Welle nur konsequent und richtig ist. Jetzt kommen die härtesten Monate der Pandemie.

SPIEGEL: Schon im Mai 2020 haben Sie die persönlichen Angriffe in einem Twitter-Post thematisiert, einer Ihrer Gegner hatte Ihnen ein Röhrchen mit einem positiven Corona-Test geschickt. Was hat sich geändert?

Lauterbach: Zwischendurch war es deutlich ruhiger geworden, die Beleidigungen hatten abgenommen. Nun ist der Hass…