Es gibt einige Jobs, bei denen Beliebtheit nicht zur Stellenbeschreibung gehört. Notenbanker ist einer davon. Die Führungsfiguren müssen unabhängig sein, persönlich, ideologisch, finanziell. Nur dann können sie ihre Aufgabe erfüllen. Sie sollen Schiedsrichter sein, nicht Mitspieler, die sehr genau beobachten, was auf dem Platz geschieht und darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden – whatever it takes.

Zum Autor

Foto: 

Institut für Journalistik, TU Dortmund

Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor arbeitete der promovierte Volkswirt als Vizechefredakteur des manager magazin. Außerdem ist Müller Autor zahlreicher Bücher zu wirtschafts- und währungspolitischen Themen. Für den SPIEGEL gibt er jede Woche einen pointierten Ausblick auf die wichtigsten Wirtschaftsereignisse der Woche.

Es gab eine Zeit, da waren Notenbanker knorrige, langweilige Figuren. Leute, die sich nur selten öffentlich äußerten – und wenn, dann redeten sie derart technokratisch verklausuliert daher, dass sie kaum jemand verstand.

Dieser Typus des Notenbankers kommunizierte vor allem durch Taten: Bei steigendem Inflationsdruck hoben sie die Zinsen an. Das war selten populär, denn es bremste die Wirtschaft und die Einkommensentwicklung. Aber längerfristig, das war damals die Überzeugung, wären stabile Preise nun mal im allgemeinen Interesse. Und einer musste nun mal den Spielverderber geben.

Als guter Notenbanker galt, wer sich um die öffentliche Meinung nicht großartig scherte – wie ein Schiedsrichter, der sich dafür beschimpfen lassen muss, dass er ein Spiel abpfeift, gerade wenn es für die eigene Mannschaft richtig gut läuft. Populär ist das nicht, war es auch damals nicht. Notenbanker versuchten sich unangreifbar zu machen, indem sie sich hinter einem Schutzschild aus Nüchternheit, Rationalität und langen Zahlenreihen versteckten.

Strahlend lächelt die große Dame

Heute ist…