Milliardenschwere Pläne für den Bau eines Tunnels zwischen der britischen Provinz Nordirland und dem Rest des Vereinigten Königreichs werden Medienberichten zufolge konkreter. Entsprechende Vorschläge der Bahnindustrie würden derzeit geprüft, berichteten die Zeitungen »Sunday Times« und »Sunday Telegraph«. Demnach soll die gut 40 Kilometer lange Unterwasser-Röhre zwischen dem schottischen Stranraer und dem nordirischen Larne entstehen – die beiden Orte sind bereits mit einer Fähre verbunden.

Premierminister Boris Johnson ist den Medienberichten zufolge ein großer Befürworter des Projekts. Die Fahrzeit von London in die nordirische Hauptstadt Belfast würde sich damit auf vier Stunden reduzieren. Die Verbindung würde Nordirland zudem enger an den Rest des Landes binden – gerade angesichts des Brexits ein wesentlicher Punkt für Johnson. Weil Nordirland infolge einer komplizierten Regelung seit dem Brexit weiter zur EU-Zollunion gehört, ist zwischen der Region und Großbritannien eine Zollgrenze in der Irischen See entstanden, die für Lieferprobleme sorgt. Der Ärger in der Provinz über Johnson ist gewaltig.

Gedankenspiele über eine Verkehrsverbindung zwischen Großbritannien und der irischen Insel gibt es seit mehr als 100 Jahren. Selten waren sie aber weit fortgeschritten. Der Bau einer Brücke gilt auch wegen oft starker Winde in der Irischen See als nicht realisierbar, anders als ein Tunnel.

Schottland-Minister Alister Jack hatte vor knapp einem Jahr gesagt, die Röhre könne bis 2030 fertiggestellt sein. Als Vorbild soll der Eurotunnel dienen, der Großbritannien seit 1994 mit dem Kontinent verbindet.

Politischer Gegenwind kommt laut »Sunday Times« allerdings vom Industrieverband CBI: Das Projekt bedeute eine »potenziell teure und ineffiziente Nutzung knapper öffentlicher Ressourcen«. Experten schätzen Medienberichten zufolge, dass der Bau des Tunnels bis zu zehn Milliarden Pfund kosten könnte.

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