Und dann ist es doch passiert. Ein Mann der AfD steht im Bundestag vor dem Bundestagspräsidenten, der die Urschrift des Grundgesetzes in Händen hält. Aufgeschlagen ist Artikel 56, für den Amtseid des Bundeskanzlers. Der Mann der AfD hebt die Hand und schwört, den Nutzen des deutschen Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden.

Auf der rechten Seite des Parlaments bricht Jubel aus. Standing Ovations, geballte Fäuste, sie haben es geschafft. Die Abgeordneten der Opposition schauen betreten drein, manche verzweifelt. Düstere Gedanken: Was wird jetzt aus Deutschland?

Diese Szene ist natürlich erfunden, ein Produkt der Fantasie. Derzeit scheint die AfD weit entfernt von einer Machtübernahme im Bund. Aber die Wahl eines FDP-Ministerpräsidenten mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD in Thüringen vor rund einem Jahr ließ erkennen, dass die Hürden nicht überall im bürgerlichen Lager unüberwindlich sind, dass der eine oder andere damit liebäugelt, der AfD Einfluss einzuräumen, wenn das die eigene Macht sichert. Das könnte ein Anfang sein, ein erster kleiner Schritt.