»Women!«, ruft Editar Ochieng in den Raum. »Power!«, schallt es zurück. Die versammelten Frauen recken die Fäuste in die Höhe. An den Wänden prangen Graffiti wie »Black Women«, »Sisterhood« oder »Queer Lives«. Die Hütte, in der sie sich treffen, ist Begegnungszentrum und Wahlkampfzentrale zugleich – denn Editar Ochieng möchte in die Politik.

Vor knapp einem Jahr hat sie es schon einmal versucht. Ihr Wahlbezirk: der Slum Kibera in Kenias Hauptstadt Nairobi, berüchtigt in ganz Afrika. Die meisten Einwohner hier haben nur einen Grundschulabschluss, sind streng religiös und traditionell aufgewachsen.

Icon: vergrößern

Editar Ochieng will in die Politik – obwohl sie deswegen bedroht wird

Foto: Heiner Hoffmann

Kindererziehung, kochen, Wäsche waschen: Das ist die Rolle der Frau in Kibera. In diesem Umfeld wollte Ochieng Parlamentsabgeordnete werden. Ochieng: die Feministin, LGBTQI-Aktivistin, Atheistin und Religionskritikerin. Sie kandidierte für eine kleine, unabhängige Partei.

Die Drohungen und Beleidigungen kamen schnell: »Es waren die Klassiker: Heirate erst mal. Die Frau gehört an den Herd«, erzählt Ochieng. Doch dann eskalierte es. Der Sohn des Ex-Premierministers wurde auf ihre Kandidatur aufmerksam. Er verunglimpfte sie auf Twitter als »Nullnummer« – und drohte, er werde sie »nicht in Frieden kandidieren lassen«.

In sozialen Netzwerken erhielt Ochieng daraufhin vermehrt Drohungen und Hassnachrichten, die sich gegen ihr Geschlecht oder gegen ihre arme Herkunft richteten. »Klar, hatte ich Angst«, erinnert sich die 32-Jährige. »Ich habe Kinder, die zur Schule laufen. Ihre Sicherheit war meine größte Sorge.«

Digitale Gewalt als politische Waffe

Die Kenianerin ist mit ihrer Angst nicht allein: Auf der ganzen Welt sind Politikerinnen Hass, Drohungen und Gewalt ausgesetzt – offline und online.

Der Frauenanteil in Parlamenten und anderen politischen Institutionen ist in vielen Ländern zwar gestiegen, doch Politik…