Seit rund einem Jahr führt Angela Merkel Deutschland durch die Corona-Pandemie, mit etlichen Auftritten. Und dieser Satz aus ihrer Ansprache vom 18. März ist vielleicht der einzige, der aus dieser Zeit wirklich in Erinnerung geblieben ist.

Woran liegt das?

Mit der Sprechtrainerin und Schauspielerin Annalena Schmidt haben wir analysiert, wie die Bundeskanzlerin auftritt – und wie sie sich in verschiedenen Formaten schlägt.

Die Sprechkonserve

Angela Merkel, Bundeskanzlerin:
»Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, das Coronavirus verändert zurzeit das Leben in unserem Land dramatisch.«

Die Physikerin ist bekannt für ihren sachlichen, nüchternen Stil. Ihre Ansprache im März hebt sich davon etwas ab. Für den Auftritt erhält Merkel viel Lob, sogar den Rhetorik-Preis einer Universität.

Annalena Schmidt, Sprechtrainerin:
»Aber das ist ja nicht das Ziel. Das Ziel ist, dass sie uns ganz unmittelbar ins Herz trifft, emotionalisiert und uns dazu bewegt zu handeln.«

Dafür aber kann sich Merkel nicht genug vom vorgeskripteten Text lösen.

Annalena Schmidt, Sprechtrainerin:
»Ich rede da immer gerne von so einer Sprechkonserve, die sie abliefert.«

Ein Beispiel: das Stilmittel der Correctio.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin:
»Seit der deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.«

Annalena Schmidt, Sprechtrainerin:
»Im echten Leben würde man dann sagen: Seit der deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg ist das und das und das passiert. Ja, also dieses… wirklich diese Irritation mit zu leben. Und sie liest die nur und erlebt sie nicht in dem Moment. Und dann gehe ich schon wieder als Hörer ein bisschen auf Abstand.«

Das Abhaken

Angela Merkel, Bundeskanzlerin:
»Das, was wir jetzt in diesen Tagen und Wochen tun und was wir nicht tun, wird entscheidend sein für die Frage, wie wir durch diese Pandemie kommen.«

Auf Pressekonferenzen tritt Merkel am…