Sie waren als Taschenlampen-Proteste angekündigt: Mit vielen kleinen Lichter-Spaziergängen haben Menschen in ganz Russland ihre Solidarität mit dem inhaftierten Kremlgegner Alexej Nawalny zum Ausdruck gebracht. Fotos aus Moskau und Sankt Petersburg zeigten Menschen mit Handytaschenlampen in der Hand, die in kleinen Gruppen durchs Stadtzentrum spazierten oder sich einfach in ihre Hinterhöfe stellten. Fast überall zu sehen waren passend zum Valentinstag: Herzen.

Vielerorts legten Menschen mit Teelichtern Umrisse von Herzen in den Schnee, hielten mit Herzen bemalte Plakate hoch oder formten sie einfach mit ihren Händen. »Liebe ist stärker als Angst«, lautete das Motto des friedlichen Protests, den die Organisatoren nach Tausenden Festnahmen bei den Massenkundgebungen der vergangenen Wochen bewusst dezentral geplant hatten.

Nur vereinzelt meldeten Bürgerrechtler Festnahmen. Anders als die großen Proteste Ende Januar wurden die Taschenlampen-Aktionen vorab nicht offiziell verboten. Dennoch berichteten Nawalnys Mitarbeiter in den Tagen zuvor von Durchsuchungen in mehreren Büroräumen und vermuteten einen Zusammenhang.

In Moskau und St. Petersburg hatten mehrere Hundert Feministinnen bereits am Nachmittag Menschenketten gebildet, um ihre Solidarität mit Nawalnys Frau Julija zum Ausdruck zu bringen, die nun voraussichtlich jahrelang von ihrem Mann getrennt sein wird. Sie war am Mittwoch nach Deutschland ausgereist. Die Protestaktion war auch allen weiteren politischen Gefangenen gewidmet.

Nawalny selbst sendete seiner Frau auf Instagram einen Valentinstagsgruß. »Ich liebe dich«, stand dort unter einem Bild, das die beiden gemeinsam zeigt. Julija Nawalnaja reagierte prompt und postete ein Foto, auf dem sie und Alexej mit einigem Abstand voneinander auf einer Bank sitzen und die Hände nacheinander ausstrecken. »Ich bin nicht traurig, ich weiß, dass alles gut werden wird«, schrieb sie dazu.

Nawalny war vor knapp zwei Wochen zum Verbüßen einer dreieinhalbjährigen…